Legal, illegal, sch***egal… – Die Geschichte der (Raub)Kopien, Teil III
6. Oktober 2009 at 11:38 Hinterlasse einen Kommentar
Die Industrie hatte natürlich unter der immensen illegalen Verbreitung zu leiden – kein Schulhof und keine Kleinanzeigenseite in der Tageszeitung waren vor Raubkopien sicher. Es gab sogar regelrechte Copy-Partys in heimischen Kinder- oder Wohnzimmern – eine Hemmschwelle war praktisch nicht mehr vorhanden. Selbst Anzeigem und teils hohe Geldstrafen änderten nichts an dem laxen Verhalten der Spieler.
Die meisten kommerziell erfolgreichen Softwarefirmen hatten unter den Raubkopien extrem zu leiden – besonders hart traf es Epyx. Zwar konnten amerikanischen Entwickler mit den Summer-Games 1994 einen Millionenseller landen, doch dürfte die tatsächliche Verbreitung des Titels um ein Vielfaches höher liegen. Mit den Nachfolgern Winter-, World- und Carlifornia-Games erging es Epyx nicht anders, so dass einer der Gründe für den Niedergang der Erfolgsschmiede zweifelsohne die Massen an Raubkopien sind.
Nichtsdestotrotz trugen die Raubkopien auch zum generellen Erfolg des C64 und damit zum Siegeszug der Heimcomputer war. Für viele Computernutzer stellte die Möglichkeit, für wenig Geld an einen schier unerschöpflichen Fundus an Software- und Spieltitel zu gelangen, den eigentlichen Kaufgrund für den C64 dar. Schließlich ließen sich die Module und Cartridges für Videospielkonsolen nur unter großem Aufwand und hohen Kosten duplizieren.
Ein Spiel, das heute Kultstatus genießt, verdankt seine Popularität fast ausschließlich der Tatsache, dass es als Raubkopie verbreitet wurde: The Great Giana Sisters. In Deutschland von Rainbow Arts entwickelt, handelte es um einen Klon des NES-Titels Super Mario. Nintendo zog vor Gericht, gewann den Prozess und untersagte Rainbow Arts die weitere Vermarktung der beiden Hupfdohlen. Dennoch avancierte The Great Giana Sisters zu einem der erfolgreichsten C64-Titel.
Unvergessen sind auch die teils kuriosen Versuche, die Vervielfältigungen mit Hilfe eines Kopierschutzes einzudämmen. Von simplen Passwortabfragen, bei denen ein Blick ins beiliegende Handbuch ausreichte, über aufwendige Farbtabellen, die mit damaligen Kopiergeräten nicht zu duplizieren waren, bis hin zu aufwendigen Codekarten á la „The Secret of Monkey Island“ zogen die Hersteller alle Register. Geholfen hat es leider wenig…
Fortsetzung folgt…
© Stefan Reinhardt, 2009.
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